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    <title>Somniatorium</title>
    <link>http://www.somniatorium.net/traum/</link>
    <description>Ein Traumtagebuch</description>
    <copyright>(c) Somniatorium 2007</copyright>
    <language>de</language>
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      <title>Somniatorium</title>
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    <item>
      <title>2007-05-05: Helter Skelter</title>
      <link>http://www.somniatorium.net/traum/2007-05#77</link>
      <pubDate>Sat, 05 May 2007 00:00:00 +0100</pubDate>
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      <description>Ich stehe an einer Straßenkreuzung in einem dem Verfall preisgegebenen Vorstadtviertel und schaue in den Innenhof eines eingestürzten Wohnhauses, wo sich eine Gruppe von Halbwüchsigen zum Frisbeespiel versammelt hat. In den Fensterhöhlen der Ruine tauchen weitere Jugendliche auf und brechen Ziegel a...</description>
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<![CDATA[<p>Ich stehe an einer Stra&szlig;enkreuzung in einem dem Verfall preisgegebenen Vorstadtviertel und schaue in den Innenhof eines eingest&uuml;rzten Wohnhauses, wo sich eine Gruppe von Halbw&uuml;chsigen zum Frisbeespiel versammelt hat. In den Fensterh&ouml;hlen der Ruine tauchen weitere Jugendliche auf und brechen Ziegel aus dem Mauerwerk, um sie auf die Spielenden hinabzuwerfen. Die Geschosse wirken federleicht und ziehen in eleganten Bahnen knapp &uuml;ber die K&ouml;pfe der Angegriffenen hinweg, die sie einsammeln und mit grazilen Bewegungen zur&uuml;ckwerfen. Anfangs erscheint das Ganze als grobes, aber harmloses Spiel, das jedoch zunehmend au&szlig;er Kontrolle ger&auml;t, und mit wachsender Intensit&auml;t der Auseinandersetzung werden auch die Ziegel immer schwerer, bis sie als lebensgef&auml;hrlicher Steinhagel auf die im Hof Versammelten niederprasseln. Treffer sind h&auml;ufig und die W&auml;nde der Ruine hallen von dem dumpfen Krachen der auf die Sch&auml;deldecken prallenden Geschosse wider. Eines der Opfer greift sich mit einem Schrei an die plattgedr&uuml;ckte Stirn, doch seine Besorgnis gilt lediglich seinem Hut, der zwar die Wucht des Einschlags gemildert hat, daf&uuml;r aber jetzt hoffnungslos au&szlig;er Form geraten ist.</p>
<p>
Inzwischen hat sich die Schlacht zu einem brutalen Rassenkonflikt entwickelt, in dem die Schwarzen, die die strategisch g&uuml;nstigeren Positionen an den Fenstern besetzen, die Oberhand behalten, w&auml;hrend die Wei&szlig;en unten im Hof sich in einer nahezu aussichtlosen Situation befinden. Dementsprechend beginnt ihr Widerstand zu erlahmen und sie ergreifen nacheinander in geb&uuml;ckter Haltung und mit gesenkten H&auml;uptern die Flucht. Zwei von ihnen kommen auf mich zu und beginnen den Frust &uuml;ber ihre Niederlage abzureagieren, indem sie mir mit ihren Frisbeescheiben auf den Kopf schlagen. Da ich mir das nicht gefallen lassen will, packe einen von ihnen am Arm und zerre ihn zum n&auml;chsten Kanalschacht, wo ich ihm sein Spielzeug entrei&szlig;e und ihn zwinge, mitanzusehen, wie ich es zur Strafe in den Tiefen der st&auml;dtischen Kanalisation versenke. Doch leider sind die &Ouml;ffnungen in dem Kanalgitter viel zu klein, soda&szlig; es mir trotz gr&ouml;&szlig;ter Anstrengung nicht gelingt, die grellgelb leuchtende Plastikscheibe hindurchzuzw&auml;ngen. In einem Anfall blinder Wut schleudere ich sie von mir und sehe ihr mit knirschenden Z&auml;hnen nach, wie sie &uuml;ber die Tr&uuml;mmer eines eingest&uuml;rzten H&auml;userblocks davonsegelt und langsam hinter einer Schutthalde verschwindet.</p>
<p><em>Der Beatles-Song &raquo;Helter Skelter&laquo;, der vor &uuml;ber drei&szlig;ig Jahren schon Charles Manson zu Spekulationen &uuml;ber einen Rassenkrieg zwischen Schwarz und Wei&szlig; veranla&szlig;t hat, stellt auch den Ausgangspunkt zu diesem in Gestalt eines Gangster-Rap-Videos auftretenden Traum dar. Als Inspirationsquelle diente ein Gespr&auml;ch mit meinem Kollegen G. &uuml;ber die Rolle der Popmusik in der Hippie-&Auml;ra.</em></p>]]>
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    </item>

    <item>
      <title>2007-05-03: Mit der Zahnradbahn durch Detroit</title>
      <link>http://www.somniatorium.net/traum/2007-05#76</link>
      <pubDate>Thu, 03 May 2007 00:00:00 +0100</pubDate>
      <guid>http://www.somniatorium.net/traum/2007-05-03</guid>
      <description>Ich bereise die USA und mache Station in Detroit, um die letzten erhaltenen Baudenkmäler der Industriearchitektur des 19. Jahrhunderts zu besichtigen. Mein besonderes Interesse gilt dabei einer Zahnradbahn, die auch heute noch als Transportsystem zur Verbindung von Betriebsgeländen in allen Teilen d...</description>
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<![CDATA[<p>Ich bereise die USA und mache Station in Detroit, um die letzten erhaltenen Baudenkm&auml;ler der Industriearchitektur des 19. Jahrhunderts zu besichtigen. Mein besonderes Interesse gilt dabei einer Zahnradbahn, die auch heute noch als Transportsystem zur Verbindung von Betriebsgel&auml;nden in allen Teilen der Stadt dient. Stromlinienf&ouml;rmige Lokomotiven ziehen kleine Kipploren hinter sich her, in denen offene Container an Kardangelenken so befestigt sind, da&szlig; sie auch bei extremsten Steigungen und in Seitenlage immer genau waagrecht h&auml;ngen. Diese Einrichtung ist n&ouml;tig, da die Z&uuml;ge teilweise nahezu senkrechte Auffahrten bew&auml;ltigen m&uuml;ssen und nur auf diese Weise sichergestellt werden kann, da&szlig; die zum Teil empfindlichen G&uuml;ter w&auml;hrend des Transports stets in einer gleichm&auml;&szlig;ig ruhenden Position verbleiben.</p>
<p>
Ich stehe auf einem eisernen Ger&uuml;st neben der &Ouml;ffnung eines aus Ziegeln gemauerten Tunnels und warte auf den n&auml;chsten Zug. Die N&auml;he zu den Metallteilen macht mich nerv&ouml;s, denn die elektrischen Installationen der Bahnanlage sind in schlechtem Zustand und die Kabel der Stromzuf&uuml;hrung weisen an vielen Stellen besch&auml;digte Isolierungen auf, soda&szlig; jeden Moment ein Kurzschlu&szlig; mit fatalen Folgen auftreten k&ouml;nnte. Ein Mitreisender bemerkt meine Unruhe und versucht mich zu beschwichtigen: &raquo;Wenn diese Plattform tats&auml;chlich mit dem Fahrdraht verbunden w&auml;re, w&auml;ren wir schon l&auml;ngst tot.&laquo;</p>
<p>
In diesem Augenblick taucht in der Tunnel&ouml;ffnung ein Zug auf, der wegen der starken Steigung nur im Schrittempo vorankommt. Schnell springe ich auf und nehme in einem der flachen Anh&auml;nger Platz, um eine kostenlose Stadtrundfahrt zu unternehmen. Zwei auf der Durchreise befindliche Hobos, die die in dem W&auml;gelchen untergebrachten Transportkisten aufgebrochen haben und sich nun an den darin verstauten Lebensmitteln g&uuml;tlich tun, laden mich zu Bier und in Zellophan verpackten petits fours ein und weisen mit schelmischer Ironie darauf hin, da&szlig; sie als Gentlemen dazu verpflichtet sind, ihre G&auml;ste auf das Bestm&ouml;gliche zu bewirten. Ich greife zu und lasse es mir schmecken, wobei ich allerdings peinlich darauf achte, den Kopf unten zu behalten, denn wir passieren immer wieder niedrige Tunnels und Unterf&uuml;hrungen, in denen man leicht enthauptet oder zerquetscht werden k&ouml;nnte.</p>
<p>
Nach einer halsbrecherischen Abfahrt &uuml;ber ein steiles Viadukt h&auml;lt der Zug am Rand einer stark frequentierten Stra&szlig;e im Zentrum der Stadt und ich steige aus. Obwohl f&uuml;r alle klar erkennbar sein mu&szlig;, da&szlig; ich als blinder Passagier mitgereist bin und mich damit eines Vergehens schuldig gemacht habe, schenken mir die Passanten keinerlei Aufmerksamkeit; trotzdem f&uuml;hle ich mich beobachtet und fl&uuml;chte in ein im Stil der Drei&szlig;iger Jahre errichtetes Kaufhaus an der n&auml;chsten Stra&szlig;enkreuzung.</p>
<p>
Hier herrscht ein chaotisches Durcheinander von Waren aller Art, soda&szlig; die G&auml;nge zwischen den Regalen oft kaum passierbar sind. Um schneller voranzukommen, lasse ich mich in einem gasgefederten B&uuml;rosessel nieder, mit dem ich nach kurzer &Uuml;bung s&auml;mtliche Hindernisse und sogar die Treppen ohne M&uuml;he &uuml;berwinde. Besonders die &uuml;berall auf dem Boden verstreute Musikliteratur weckt meine Kauflust, und als sich eine Bildbiographie der Rockband Led Zeppelin mit dem Titel &raquo;Remain the Same&laquo; im Drehgestell meines Sessels verheddert, nehme ich den Band in der Absicht, ihn an der Kasse vorbeizuschmuggeln, an mich. Zu meiner gro&szlig;en Entt&auml;uschung ist das Buch jedoch auf billiges braunes Packpapier gedruckt und enth&auml;lt au&szlig;er einigen oberfl&auml;chlichen Textbeitr&auml;gen lediglich nichtssagende Zeichnungen. Daf&uuml;r m&ouml;chte ich das Risiko eines Ladendiebstahls nicht eingehen, und da ich gerade durch die Gartenabteilung rolle, nutze ich die Gelegenheit, den Band zwischen zwei Tont&ouml;pfen mit ausgetrockneten Zimmerpflanzen zu verstecken. Dann fahre ich mit Schwung die letzte Treppe hinunter und rumple an dem verbl&uuml;fften T&uuml;rsteher vorbei hinaus ins Freie.</p>
<p><em>Dieser Traum, der scheinbar nur f&uuml;r sich selbst steht und keinen erkennbaren Bezug zu meinem Wachleben aufweist, erinnert mich an einen vor etlichen Jahren stattgefundenen Besuch an der &ouml;sterreichischen Nationalbibliothek, wo ein &auml;hnliches Zahnradbahnsystem im Miniaturformat f&uuml;r den B&uuml;chertransport eingesetzt wird.</em></p>]]>
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    </item>

    <item>
      <title>2007-04-26: Die Rettung des Bratens</title>
      <link>http://www.somniatorium.net/traum/2007-04#75</link>
      <pubDate>Thu, 26 Apr 2007 00:00:00 +0100</pubDate>
      <guid>http://www.somniatorium.net/traum/2007-04-26</guid>
      <description>Ich fahre mit der U-Bahn zur Arbeit und bemerke erst viel zu spät, daß ich es offenbar versäumt habe, rechtzeitig auszusteigen. Als der Zug endlich hält und ich nervös aus dem Stationsgebäude laufe, finde ich mich in einem unbekannten Vorstadtviertel wieder, dessen ländlicher Charme mir ein Gefühl v...</description>
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<![CDATA[<p>Ich fahre mit der U-Bahn zur Arbeit und bemerke erst viel zu sp&auml;t, da&szlig; ich es offenbar vers&auml;umt habe, rechtzeitig auszusteigen. Als der Zug endlich h&auml;lt und ich nerv&ouml;s aus dem Stationsgeb&auml;ude laufe, finde ich mich in einem unbekannten Vorstadtviertel wieder, dessen l&auml;ndlicher Charme mir ein Gef&uuml;hl von Ruhe und Entspannung vermittelt. Spontan beschlie&szlig;e ich, blau zu machen und den Tag hier drau&szlig;en im Gr&uuml;nen zu verbringen. Aus dem Garten eines urt&uuml;mlichen Landgasthofs auf der gegen&uuml;berliegenden Stra&szlig;enseite dringt Bratenduft in meine Nase, und so setze mich an einen der Tische im Schatten eines Baumes und lasse mir von der Kellnerin die Speisekarte vorlegen.</p>
<p>
W&auml;hrend ich &uuml;berlege, was ich essen k&ouml;nnte, beobachte ich einen Gast, der soeben die Spezialit&auml;t des Hauses bestellt hat: einen Grillteller, der direkt bei Tisch zubereitet wird. Das ru&szlig;geschw&auml;rzte Gestell, das die Kellnerin zu diesem Zweck aus der K&uuml;che gebracht hat, sieht aus wie eine K&auml;figfalle f&uuml;r Ratten. Es handelt sich um einen Miniaturgrill, dessen Boden von einer Schicht gl&uuml;hender Holzkohle auf Backofentemperatur erhitzt wird. Offenbar ist man beim Bef&uuml;llen des Kohlebeh&auml;lters &uuml;ber das Ziel hinausgeschossen, denn zwischen den Gitterst&auml;ben dringt Rauch hervor und der Geruch von verbranntem Fleisch erf&uuml;llt die Luft. Durch den Qualm erkenne ich ein etwa f&uuml;nfzehn Zentimeter gro&szlig;es Wildschwein, das sich mit brennendem Pelz verzweifelt an die Wand des K&auml;figs dr&uuml;ckt, um der Hitze zu entkommen. Ohne auf den Protest des um seine Mahlzeit geprellten Mannes zu achten, eile ich hinzu und befreie das Opfer mit meinem E&szlig;besteck aus seinem Gef&auml;ngnis. Dann setze es vor mir auf den Boden und warte auf ein Lebenszeichen.</p>
<p>
Das Tier ist bewu&szlig;tlos und eine klebrige Schicht aus verkohltem Bratfett &uuml;berzieht sein angesengtes Fell, aber es atmet und bewegt sich. Nach einiger Zeit &ouml;ffnet es die Augen, und als ich ihm mit der Gabel auf die Beine helfe, torkelt es durch das Gras davon, bis es an den Rand eines von L&ouml;wenzahnbl&auml;ttern ges&auml;umten Erdlochs gelangt. Nach einem kurzen Moment des Z&ouml;gerns verwandelt es sich in eine faustgro&szlig;e Kellerassel und entschwindet in den Untergrund.</p>
<p>
Mit meinem inneren Auge blicke ich in den Hohlraum unter dem Erdloch und stelle fest, da&szlig; es sich um die Behausung eines Kraftsportlers handelt. Aus der Sicht des Besitzers ist das Loch eine schadhafte Stelle im Dach, unter der er seinen Sportsack aufgeh&auml;ngt hat, um den eindringenden Regen aufzufangen. Die Assel kriecht hinein und verheddert sich so in den Schn&uuml;ren, da&szlig; sie bald weder vor noch zur&uuml;ck kann. Zwar &auml;rgert es mich, da&szlig; das dumme Tier schon wieder in eine Falle geraten ist, doch das Verantwortungsgef&uuml;hl siegt und ich ziehe den Sack aus dem Loch und sch&uuml;ttle ihn vorsichtig vor mir aus. Tausende von K&auml;fern und anderen Insekten fallen heraus und laufen nach allen Seiten auseinander, um im Gras Schutz vor dem glei&szlig;enden Sonnenlicht zu suchen. Meine Assel ist auch unter ihnen, aber da sie mittlerweile auf die gew&ouml;hnliche Gr&ouml;&szlig;e ihrer Artgenossinnen geschrumpft ist und ihre urspr&uuml;ngliche Wildschweinnatur restlos abgelegt hat, ist sie f&uuml;r mich vollkommen uninteressant geworden.</p>
<p><em>Mein Kollege C. hat sich seit einiger Zeit dem Boxsport verschrieben und unterh&auml;lt uns in w&ouml;chentlichen Abst&auml;nden mit den neuesten Anekdoten aus dem Sportzentrum &ndash; so wie der Kraftsport an meiner Arbeitsst&auml;tte &uuml;berhaupt eine unverh&auml;ltnism&auml;&szlig;ig gro&szlig;e Rolle spielt. Die &uuml;brigen Motive des Traumes sind scheinbar ohne aktuelle Bez&uuml;ge.</em></p>]]>
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    </item>

    <item>
      <title>2007-04-18: Die Stadt der regengrauen Phantome</title>
      <link>http://www.somniatorium.net/traum/2007-04#74</link>
      <pubDate>Wed, 18 Apr 2007 00:00:00 +0100</pubDate>
      <guid>http://www.somniatorium.net/traum/2007-04-18</guid>
      <description>Ich sitze in einem Taxi und lasse mich durch die dicht bevölkerte Fußgängerzone in der Salzburger Innenstadt chauffieren. Da vor wenigen Minuten ein Gewitter über den Straßen niedergegangen ist, reflektiert der glänzende Asphalt die Lichter der Autoscheinwerfer und der Himmel zeigt sich von dunklen ...</description>
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<![CDATA[<p>Ich sitze in einem Taxi und lasse mich durch die dicht bev&ouml;lkerte Fu&szlig;g&auml;ngerzone in der Salzburger Innenstadt chauffieren. Da vor wenigen Minuten ein Gewitter &uuml;ber den Stra&szlig;en niedergegangen ist, reflektiert der gl&auml;nzende Asphalt die Lichter der Autoscheinwerfer und der Himmel zeigt sich von dunklen Wolken bedeckt. Unter den Spazierg&auml;ngern sind immer wieder farblose, halb transparente Gestalten auszumachen, die sich zu Gruppen scharen und jeden Kontakt mit anderen Menschen vermeiden. Es handelt sich um die sogenannten &raquo;regengrauen Phantome&laquo;, die nach Niederschl&auml;gen scheinbar aus dem Nichts auftauchen und bald darauf ebenso spurlos wieder verschwinden. Obwohl das R&auml;tsel ihrer Existenz ungel&ouml;st und &uuml;ber ihre Ziele und Zwecke nichts bekannt ist, werden sie von den gesch&auml;ftig umhereilenden Passanten kaum beachtet und bleiben weitgehend sich selbst &uuml;berlassen.</p>
<p>
Je weiter wir uns dem Stadtzentrum n&auml;hern, desto gr&ouml;&szlig;er wird die Zahl der Phantome, und bald stellen sie die &uuml;berwiegende Mehrheit der Fu&szlig;g&auml;nger. An den Stra&szlig;enkreuzungen dr&auml;ngen sie sich so dicht aneinander, da&szlig; man sie mit dem Auto zur Seite schieben mu&szlig;, um nicht zwischen ihnen steckenzubleiben. Da sie von feinstofflicher Substanz sind und den Kontakt mit gew&ouml;hnlicher Materie nicht ertragen, zerplatzen sie bei dieser Ber&uuml;hrung und zerflie&szlig;en zu klebrigem Schleim wie Schnecken, die man mit Salz &uuml;bersch&uuml;ttet hat.</p>
<p>
Ich steige aus dem Taxi und weiche von der Hauptstra&szlig;e in eine weniger frequentierte Nebengasse aus. Mein Instinkt sagt mir, da&szlig; ich mich in Gefahr befinde; zugleich f&uuml;hle ich mich jedoch befreit und empfinde die Abwesenheit der Phantome als Wiederherstellung der Normalit&auml;t. Vor dem Schaufenster eines Uhrmachergesch&auml;fts bleibe ich stehen und vertiefe mich in die Betrachtung der Auslage, in der einige besonders kunstvolle Erzeugnisse des Uhrmacherhandwerks zum Verkauf angeboten werden. Der Inhaber des Ladens ist gerade in ein Gespr&auml;ch mit einem Kunden vertieft und f&uuml;hrt ihn in die Theorie der Mechanik von Zahnr&auml;dern ein, wobei er zur Veranschaulichung die Teile eines zerbrochenen Uhrwerks vor sich ausgebreitet hat.</p>
<p>
Auf dem Lack des Fensterrahmens bemerke ich pyramidenf&ouml;rmige Ausbl&uuml;hungen, die rhythmisch zu pulsieren scheinen und dabei langsam, aber stetig wachsen. Da begreife ich: Dies sind die Keimzellen, aus denen sich die regengrauen Phantome entwickeln! Das An- und Abschwellen der kristall&auml;hnlichen Gebilde &uuml;bt eine hypnotische Wirkung auf mich aus und es gelingt mir nur mit viel Willenskraft, meinen Blick davon zu l&ouml;sen. Dabei ist gr&ouml;&szlig;te Eile geboten, denn die Keime k&ouml;nnen jeden Moment zu fertigen Phantomen mutieren, und kein lebender Mensch darf jemals Zeuge dieser Metamorphose werden.</p>
<p><em>Obwohl sie nicht selbst auftritt, weisen der Schauplatz Salzburg und der Bezug zum Thema &raquo;Uhren&laquo; ganz klar E. als zentrale Figur dieses Traumes aus. Zusammen mit den beiden vorhergehenden Geschichten ergibt sich damit eine in erster Linie durch die Hauptperson zusammengehaltene Trilogie, in der weitere Bez&uuml;ge zum Tagesgeschehen nicht erkennbar sind.</em></p>
<p><em>
Die kristall&auml;hnlichen Phantom-Keime sind den au&szlig;erirdischen Krankheitserregern aus dem Film &raquo;Andromeda &ndash; t&ouml;dlicher Staub aus dem All&laquo; von Robert Wise nachempfunden, die das Blut der Befallenen zu Sand gerinnen lassen. Die Andromeda-Organismen wachsen und pulsieren unter dem Mikroskop ganz &auml;hnlich wie die pyramidenf&ouml;rmigen Strukturen auf dem Fensterrahmen.</em></p>]]>
      </content:encoded>
    </item>

    <item>
      <title>2007-03-30: Spaziergang am Strand</title>
      <link>http://www.somniatorium.net/traum/2007-03#73</link>
      <pubDate>Fri, 30 Mar 2007 00:00:00 +0100</pubDate>
      <guid>http://www.somniatorium.net/traum/2007-03-30</guid>
      <description>Im fahlen Licht der späten Nachmittagssonne unternehme ich mit E. einen Spaziergang am Meeresstrand. Der Himmel über unseren Köpfen ist wolkenlos, aber von bleigrauer Farbe, und es scheint, als ob man nur die Hand ausstrecken müßte, um ihn berühren zu können. Obwohl sich kein Lüftchen rührt, ist das...</description>
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<![CDATA[<p>Im fahlen Licht der sp&auml;ten Nachmittagssonne unternehme ich mit E. einen Spaziergang am Meeresstrand. Der Himmel &uuml;ber unseren K&ouml;pfen ist wolkenlos, aber von bleigrauer Farbe, und es scheint, als ob man nur die Hand ausstrecken m&uuml;&szlig;te, um ihn ber&uuml;hren zu k&ouml;nnen. Obwohl sich kein L&uuml;ftchen r&uuml;hrt, ist das Meer in heftiger Bewegung und schwere, &ouml;lige Wellen rollen im Zeitlupentempo an das Ufer. Wenige Meter vom Strand entfernt ragen verrostete &Uuml;berreste von Maschinen und andere Metallteile aus dem tr&uuml;ben Wasser und versperren den Zugang zu der dahinter liegenden Bucht.</p>
<p>
Dicht unter der Wasseroberfl&auml;che erkenne ich kleine Pelztiere &ndash; wahrscheinlich handelt es sich um junge Katzen &ndash;, die sich heftig strampelnd bem&uuml;hen, das Ufer zu erreichen. Der Sog der Wellen l&auml;&szlig;t ihnen aber keine Chance und zieht sie immer wieder hinaus in das offene Meer. Selbst wenn sie die Kraft der Str&ouml;mung &uuml;berwinden k&ouml;nnten, h&auml;tten sie davon keinen Nutzen, denn sie m&uuml;&szlig;ten sich hoffnungslos in dem Gewirr aus eisernen Stangen und Dr&auml;hten verheddern und elend darin zugrunde gehen.</p>
<p>
E. und ich verlassen den Strand und gehen eine menschenleere Gasse entlang bis zu einem Haus, durch dessen Tor ged&auml;mpfte Musik und Stimmen zu h&ouml;ren sind. Wir treten in den Hauseingang und geraten in eine Diskussion, ob wir das Fest besuchen sollen oder nicht: E. ist daf&uuml;r, ich aber versp&uuml;re keine Lust auf Gesellschaft und m&ouml;chte viel lieber zur&uuml;ck an den Strand. In diesem Moment &ouml;ffnet sich die T&uuml;r und ich bemerke, da&szlig; meine Ohren mit Sand verstopft sind, denn obwohl im Hintergrund des Festsaales ein Podest mit Musikanten zu sehen ist, dringt der Schall weiterhin nur sehr ged&auml;mpft in mein Bewu&szlig;tsein. Mit den Fingern versuche ich, meine Geh&ouml;rg&auml;nge freizulegen, aber die Sandk&ouml;rner haben sich zu einem z&auml;hen Konglomerat verdichtet, das sich nur langsam und mit gro&szlig;er M&uuml;he entfernen l&auml;&szlig;t.</p>
<p>
Da wir uns nicht auf eine gemeinsame Abendgestaltung einigen k&ouml;nnen, mischt E. sich unter die ausgelassen feiernden Festg&auml;ste und l&auml;&szlig;t mich allein auf der Stra&szlig;e zur&uuml;ck. Ich sehe ihr noch einen Augenblick nach, dann spaziere ich zur&uuml;ck zur Strandpromenade, wo inzwischen die abendliche D&auml;mmerung hereingebrochen ist. Die Barriere aus Altmetall ist verschwunden; stattdessen sind jetzt einige bunt beleuchtete Verkaufsst&auml;nde am Wasser aufgestellt, die Eis und andere Erfrischungen anbieten. Mit einem Gef&uuml;hl der Entspannung setze ich mich an einen der h&ouml;lzernen Klapptische zwischen den Pavillons und warte auf Bedienung.</p>
<p><em>Dieser Traum basiert auf einem Telefongespr&auml;ch mit E., die mir bei dieser Gelegenheit ausf&uuml;hrlich &uuml;ber die Abenteuer und Missetaten des ihr vor einem halben Jahr zugelaufenen K&auml;tzchens erz&auml;hlt hat.</em></p>]]>
      </content:encoded>
    </item>

    <item>
      <title>2007-03-23: U-Bahn ins Ungewisse</title>
      <link>http://www.somniatorium.net/traum/2007-03#72</link>
      <pubDate>Fri, 23 Mar 2007 00:00:00 +0000</pubDate>
      <guid>http://www.somniatorium.net/traum/2007-03-23</guid>
      <description>Ich bin mit einigen Freunden unterwegs auf der Suche nach einer verschollenen Gruppe von Entdeckungsreisenden, die unter der Führung der Sopranistin Anneliese Rothenberger als erste Menschen in der Geschichte in die interdimensionale Kharkov-Zone eingedrungen sind und sie erfolgreich durchquert habe...</description>
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<![CDATA[<p>Ich bin mit einigen Freunden unterwegs auf der Suche nach einer verschollenen Gruppe von Entdeckungsreisenden, die unter der F&uuml;hrung der Sopranistin Anneliese Rothenberger als erste Menschen in der Geschichte in die interdimensionale Kharkov-Zone eingedrungen sind und sie erfolgreich durchquert haben. Die Kharkov-Zone ist ein transzendentes Energiefeld, das unsere Welt mit einem auf den ersten Blick &auml;hnlichen, aber letztlich doch fremdartigen Paralleluniversum verbindet; um sie zu erreichen, mu&szlig; man lediglich das am Ende jeder U-Bahn-Strecke befindliche Tor aufsto&szlig;en und ohne stehen zu bleiben weiterfahren. In der Zone selbst ist es dunkel und man darf auf keinen Fall anhalten, da man sonst ewig darin gefangen bleibt und weder vor noch zur&uuml;ck kann. Es ist wichtig, bei der Einfahrt gen&uuml;gend Schwung f&uuml;r ihre antriebslose Durchdringung mitzubringen, denn die Zone erlaubt keine Entfaltung von Bewegungsenergie und eine Beschleunigung in ihr ist daher nicht m&ouml;glich.</p>
<p>
Im Zuge der Nachforschungen haben wir unsere eigene Welt verlassen und sind in einem alternativen Peking des Jahres 1930 gelandet, das wir erfolglos nach den Vermi&szlig;ten durchsucht haben. Wir machen Rast neben einer aufgelassenen Stadtbahnstrecke, von der noch der Mittelpfeiler einer eingest&uuml;rzten Br&uuml;cke erhalten ist. Dieser hat die Gestalt einer monumentalen goldenen Engelsfigur und tr&auml;gt auf dem Kopf die Reste des ehemaligen Br&uuml;ckenbogens. Auf dem Mauerwerk sind noch die in Gro&szlig;buchstaben aufgemalten Worte &raquo;Die Zukunft bringt das Gl&uuml;ck&laquo; zu lesen, doch angesichts des ruin&ouml;sen Zustands der Anlage erscheint mir diese Hoffnung als verfehlt.</p>
<p>
Unsere Mission ist beendet und wir sitzen wieder in einem U-Bahn-Triebwagen, der mit hohem Tempo auf die Kharkov-Zone zusteuert und uns in unsere eigene Welt zur&uuml;ckbringen soll. Die Spannung steigt mit jedem Augenblick, denn es ist keineswegs sicher, da&szlig; die Bewegungsenergie des Zuges f&uuml;r den Sprung zur&uuml;ck ausreichen wird. Tats&auml;chlich beginnt sich die Fahrt bedrohlich zu verlangsamen, aber ein Licht am Ende des Tunnels zeigt uns, da&szlig; wir es gerade noch geschafft haben. Mit einem Gef&uuml;hl der Erleichterung rollen wir auf dem Bahnsteig ein &ndash; und stellen best&uuml;rzt fest, in die Irre gefahren zu sein: Die technische Infrastruktur und das Ambiente der Station gleichen im Wesentlichen den Umst&auml;nden, wie wir sie aus der uns vertrauten Welt kennen; die Menschen jedoch sind lebende Skelette, die uns entsetzt aus leeren Augenh&ouml;hlen anstarren. Anzeichen von Panik machen sich in der dicht gedr&auml;ngten Menge bemerkbar, denn es ist offensichtlich, da&szlig; wir den Bewohnern des Paralleluniversums ebenso monstr&ouml;s erscheinen wie sie uns. Dazu kommt noch, da&szlig; der Bahnsteig nur ungen&uuml;gend von einer tr&uuml;ben neongr&uuml;nen Beleuchtung erhellt wird, was der Szene den Charakter einer Geisterbahnfahrt verleiht.</p>
<p>
Ich halte den Zug nicht an, sondern steuere ihn an den Untoten vorbei in den n&auml;chsten Tunneleingang. Wir befinden uns jetzt in einem Bereich fahlen Zwielichts; die W&auml;nde sind aus Glas und geben den Blick auf eine Reihe von Theaterwerkst&auml;tten frei. Ein chaotisches Durcheinander von Schauspielrequisiten und b&uuml;hnenbildnerischem Handwerkszeug zeugt von den Aktivit&auml;ten einer ordnenden Macht hinter den Kulissen der Parallelwelt: besengro&szlig;e Pinsel in h&ouml;lzernen Farbbottichen, unfertige B&uuml;hnenentw&uuml;rfe auf meterhohen Leinw&auml;nden, auf dem Boden verstreute Kost&uuml;me. Durch eine Folge von selbstt&auml;tig &ouml;ffnenden Toren gelangen wir in einen letzten, mit Korkplatten ausgekleideten Tunnelabschnitt, wo sich die Geleise im Schotterbett des Schienenoberbaus verlieren &ndash; die Fahrt ist zu Ende! </p>
<p>
Wir steigen aus und betreten eine von B&uuml;schen ges&auml;umte Gartenlandschaft. Aus dem Gras erheben sich drei langohrige Wesen und kommen uns mit zum Gru&szlig; ausgestreckten H&auml;nden entgegen. Sie sind am ganzen K&ouml;rper mit braunem Pl&uuml;schfell bedeckt und haben anstelle von Gesichtern undurchsichtige Helmvisiere aus schwarzem Glas. Noch ehe sie ein Wort gesprochen haben, wird mir klar, da&szlig; es sich um die verschollenen Forscher handelt, die nach einer langen Irrfahrt durch die Gefahren der Kharkov-Zone hier gelandet sind und sich zur Ruhe gesetzt haben. Anneliese Rothenberger ist weitergezogen und hat sie allein zur&uuml;ckgelassen, aber da sie nie richtig in die Gruppe integriert war und &uuml;berdies keinerlei Bef&auml;higung zu seri&ouml;ser Forschungsarbeit hatte, haben sich die anderen leichten Herzens von ihr getrennt.</p>
<p><em>&Auml;u&szlig;erlich lehnt sich dieser Traum an den Film &raquo;Moebius&laquo; des argentinischen Regisseurs Gustavo Mosquera R. an, in dem sich ein in eine Endlosschleife geratener U-Bahn-Zug im Untergrund von Buenos Aires verliert; unmittelbar inspiriert wurde die Handlung jedoch von E., deren k&uuml;nstlerische Zukunftspl&auml;ne in erster Linie noch die Gestaltung von Gem&auml;lden im Gro&szlig;format vorsehen. Die Antwort auf die Frage, was das mit Anneliese Rothenberger oder der Stadt Kharkov zu tun hat, mu&szlig; ich leider schuldig bleiben.</em></p>]]>
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