


Lebhafte Träume gehören von Kindesbeinen an zu meiner psychischen Grundausstattung. Ursprünglich fand ich daran nichts Besonderes, doch im Zuge von Vergleichen fiel mir schon bald auf, daß viele meiner Traumerlebnisse sich von denen anderer Menschen in mancher Hinsicht unterscheiden. Charakteristisch ist z.B., daß nicht nur Personen und Orte bis zur Unkenntlichkeit entstellt werden, sondern auch die Gegenstände des Alltags. Während der Mann in Peter Bichsels Geschichte »Ein Tisch ist ein Tisch« seine Welt dadurch verwirrt, daß er die Namen der Dinge in seiner Umgebung verändert, ändern die Dinge in meinen Träumen gerne Form und Funktionszusammenhang. Die Folgen sind in beiden Fällen die gleichen: Es wird schwierig, das Erlebte in Worte zu fassen und an Außenstehende zu vermitteln.
Öfter als einmal ist es vorgekommen, daß mir nach der Erzählung eines Traumes ein Besuch bei einem Filmproduzenten (oder, in extremeren Fällen, bei einem Arzt) nahegelegt wurde. Um also Regisseuren und Psychiatern dieses Material nicht vorzuenthalten, habe ich mich dazu entschlossen, meine nächtlichen Eskapaden in einem Tagebuch aufzuzeichnen und dieses unter dem Titel Somniatorium ins WWW zu stellen. Der Hauptzweck besteht für mich jedoch nicht in der Veröffentlichung, sondern in der Schaffung eines einfach zu handhabenden, übersichtlichen Archivs, auf das ich jederzeit und von überall zugreifen kann. Für die Wahl des Mediums war in erster Linie die Tatsache ausschlaggebend, daß ich nicht gerne mit handschriftlichen Aufzeichnungen arbeite, während mir das Gestalten von Webseiten ganz allgemein Freude macht. Falls sich aber jemand findet, der mitlesen möchte, so sei er oder sie herzlich dazu eingeladen.
Für eine Deutung meiner Träume interessiere ich mich übrigens nicht, und zwar weder aus psychologischer noch aus esoterischer Sicht. Sie stellen für mich lediglich eine Art »Kino im Kopf« dar und ich werte sie als Beweis eines kreativen Potentials, von dem ich auch im Wachleben zu profitieren hoffe.
Das Hintergrundmotiv des Somniatoriums bildet eine Collage, die auf einem 1972 entstandenen Gemälde des polnischen Malers Zdzisław Beksiński (1929-2005) basiert. Beksiński, der am 22. Februar 2005 ermordet in seiner Warschauer Wohnung aufgefunden wurde, gilt als einer der führenden Surrealisten seiner Generation. Ein wesentlicher Teil seines Schaffens besteht aus großformatigen Ölbildern, in denen alptraumhafte Szenen von Untergang und Auflösung festgehalten sind. Als Quelle seiner Inspiration nannte Beksiński neben anderem seine Träume; wenn er malte, konnte er oft nicht sagen, woran er da gerade arbeitete. Seine Tätigkeit diente in erster Linie der Befriedigung eines persönlichen Ausdrucksbedürfnisses und war nicht als Botschaft an die Außenwelt gerichtet. Einen absichtlich symbolischen oder moralischen Gehalt seiner (zumeist unbetitelten) Werke stellte Beksiński in Abrede.
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