Somniatorium

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Besuch in der Keksfabrik

2005-05-31

Ich befinde mich auf einem Betriebsausflug in einer Stadt irgendwo im Norden Europas. Ich reise mit einer anonymen Gruppe von ca. 60 Personen; keiner von ihnen weist individuelle Züge auf. Wir haben eine Firmenbesichtigung unternommen und sind eben im Begriff, das Werk zu verlassen, als sich ein junger Arbeiter im blauen Schlosseranzug zu uns gesellt und über den Wertverfall der Produkte seines Unternehmens zu räsonieren beginnt. „Seht euch das an,“ jammert er und nimmt eine Packung mit Keksen aus einem Regal, „dafür muß ich im Durchschnitt elf Minuten arbeiten und dann wird das Zeug um ein paar Schilling im Supermarkt verschleudert.“ Er beschwert sich in undeutlichen Worten über den schädlichen Einfluß der fernöstlichen Konkurrenz auf seine Branche. Ich möchte fragen, wie viel seine Firma pro Kekspackung verdient und ob sich die Herstellung überhaupt noch lohnt, doch mittlerweile hat er sich in eine solche Rage hineingeredet, daß er die Packung wütend durch den Raum schleudert.

Alle sind peinlich berührt und möchten den Besuch so schnell wie möglich beenden, als einer aus der Gruppe durch eine halbgeöffnete Tür in eine Maschinenhalle schaut und fragt, was es dort zu sehen gibt. Der Arbeiter hat sich schnell wieder beruhigt, er ist völlig souverän und führt uns in die Halle. Ich bemerke jetzt, daß es sich gar nicht um einen Mann handelt, sondern um eine junge Frau mit schulterlangen blonden Haaren.

Die Halle ist bis auf eine große Maschine in der Mitte leer. Wir stellen uns im Kreis um den Apparat auf und plötzlich sind wir so viele, daß es zu einem regelrechten Gedränge kommt. Wegen der schlechten Akustik verstehe ich kaum etwas von den Ausführungen unserer Führerin, doch fällt mir auf, daß die Maschine zwar absolut neuwertig und wie frisch poliert aussieht, aber von recht antiquierter Bauart ist.

Nach der Führung sammeln wir uns auf einer Brücke in der Stadt. Einer aus der Gruppe ist mein ehemaliger Mitschüler C.B., der ein begabter Ingenieur werden hätte können, wenn seine Eltern diese Neigung nicht unterdrückt hätten. Die junge Frau, in der ich jetzt meine Mutter erkenne, sagt zu ihm: „Du bist ja noch nicht einmal Mitte Dreißig, du kannst noch viel lernen.“ Ich weise sie darauf hin, daß C.B. mit mir die Volksschule besucht hat und daher genau so alt sein muß wie ich (also 40, was ich aber nicht ausspreche), aber sie wiederholt nur: „Sage ich ja, noch nicht einmal 35.“

Später, als ich mich in meinem Zimmer zur Entspannung hingelegt habe, kommt meine Mutter durch die Tür, breitet eine dicke Wolldecke über mich und legt sich in voller Länge darüber: „Das ist die Strafe dafür, daß du vorhin so vorlaut warst.“ Ich befreie meinen Kopf aus der Decke und versuche, sie mit einem Stück Schokolade zu besänftigen, aber sie läßt sich nicht zum Aufstehen bewegen. Da ich ohnehin nichts anderes vorhatte, beschließe ich, die Gelegenheit zu einem Schläfchen zu nutzen. Langsam dämmere ich dem Erwachen in der realen Welt entgegen.

Anmerkungen

Im Halbschlaf identifiziere ich die Stadt als Leipzig, wo ich zuletzt 1992 im Rahmen eines Kongresses war. Ich sehe eine Straße mit Jugendstilgebäuden vor mir, die mit dem wirklichen Leipzig (soweit ich mich daran erinnere) wenig ûhnlichkeit aufweist.

Bei den Keksen aus der Fabrik handelt es sich um Linzeraugen ‫ eine Sorte, die ich nicht besonders mag. Die Maschine entstammt dem Vorlagenheft eines „Matador“-Baukastens, der für mich als Kind ein Lieblingsspielzeug war.

C.B. war in Wirklichkeit ein recht schwacher Schüler, von dem ich nach meiner Volksschulzeit nie mehr etwas gehört habe. Als Jugendlicher habe ich einmal seinen Namen mißbraucht, um im Rahmen eines Scherzanrufes eine andere ehemalige Mitschülerin zu einem fiktiven Klassentreffen einzuladen.

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Ein Fall für Micky

2005-05-30

Ich bin Micky Maus und spiele die Hauptrolle in einem Abenteuerfilm, der von Slash, dem Gitarristen von Slayer, im Auftrag reicher Geldgeber produziert wird. Meine Aufgabe als Darsteller: Ich soll ein bestimmtes Stück Papier beschaffen, das wichtige Informationen enthält.

Ich stehe vor einem Gebäude, dessen Fassade als einzige Öffnung eine etwa drei Meter über dem Boden befindliche Tür aufweist. Über eine hölzerne Leiter steige ich in einen fensterlosen, leeren Raum, in dessen Boden ein rechteckiges Loch eingelassen ist. In dem Loch ist mit ledernen Schnüren eine Tierhaut eingespannt; an den Rändern fallen schmale Streifen von Tageslicht ein. Die Luft ist warm und stickig, es riecht wie auf dem Dachboden eines alten Hauses im Sommer. Während sich meine Augen langsam an das Dunkel gewöhnen, beginnt die Haut intensiv orange zu leuchten und es zeichnet sich das Bild eines Teufels darauf ab, der mir zuwinkt und sagt: „Spring!“ Ich weiß, daß ich rasch handeln muß, denn wenn ich springe, solange der Teufel mich dazu auffordert, wird die Haut nachgeben und den Weg nach unten freigeben ‫ dorthin, wo sich das gesuchte Papier befindet. Doch ich habe bereits zu lange gezögert, denn als ich endlich springe, erlischt das Licht, der Teufel verschwindet und die Haut federt mich zurück wie ein Trampolin. Der Zugang ist verschlossen.

Enttäuscht steige ich wieder nach unten und überlege, auf welchem anderen Weg ich an das Papier gelangen könnte. Ich befinde mich jetzt einige Meter unterhalb des Raumes mit dem Loch im Boden. Neben mir befindet sich ein Holzpodest, das ich mit Mühe erklettere. Über meinem Kopf und direkt unter dem Loch hängt eine nach unten geöffnete Kiste, in der ich zwischen Stroh und Holzspänen das Papier erkennen kann. Wie soll ich da hinaufkommen? Ich blicke um mich und sehe, daß auch hier ein Trampolin in den Boden eingelassen ist. Ich springe also, und nach einigen Sprüngen komme ich so weit nach oben, daß sich das Papier unmittelbar in Reichweite befindet. Doch aus dieser kurzen Entfernung bemerke ich, daß es bereits stark gebräunt, brüchig und nicht mehr ganz vollständig ist. Bei einem unsanften Zugriff aus dem Sprung heraus würde es wahrscheinlich endgültig zerfallen und die wertvolle Information für immer verloren sein. Ich federe noch einige Male auf und ab und kann mich nicht dazu durchringen, nach dem Papier zu greifen. In diesem Zustand der Unentschlossenheit endet der Traum.

Anmerkungen

Im Dämmerzustand vor dem Erwachen korrigiere ich mich dahingehend, daß Slash bei Guns N’ Roses gespielt hat und nie ein Mitglied von Slayer war, aber die Alliteration und der Zusammenklang der Wörter „Slash“ und „Slayer“ gefallen mir dennoch. Dann fällt mir die „Indiana Jones“-Filmtrilogie von Steven Spielberg ein.

Am Vortag habe ich den Comicband „Der Hartmut in Gefar!“ von Hartmut Klotzbücher gelesen, in dem neben einigen anderen populären Filmfiguren auch Indiana Jones persifliert wird.

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Gartenfest mit Mumie

2005-05-26

Ich bin mit einer Gruppe von rund 15 Personen zusammen, um ein Fest zu feiern. Einige der Anwesenden sind Familienmitglieder und Arbeitskollegen, doch sehen sie (mit einer Ausnahme, davon später) im Traum anders aus als im Wachleben. Die Szene spielt sich in einem verwilderten Garten in Hanglage ab, durch den eine steinerne Treppe nach oben führt. Der Garten grenzt an eine Häuserzeile, an deren anderem Ende sich ein eingezäuntes Rasenstück befindet.

Unter den Gästen befindet sich eine namenlose Frau (ich nenne sie hier in weiterer Folge „die Seherin“), die über die Fähigkeit außersinnlicher Wahrnehmung verfügt. Sie zeigt mir im Garten eine Ausstellungsvitrine, in der ein Bündel männlicher Kleidungsstücke nach der Mode des späten 18. Jahrhunderts liegt. Die Anordnung erinnert an eine menschliche Gestalt; es steckt etwas in den Kleidern, doch fehlen wichtige Körperteile ‫ der Kopf, die Beine. Ich denke an eine Mumie und weiß, daß die hier liegende Person eine Rolle im amerikanischen Bürgerkrieg gespielt hat. Von der Figur geht eine starke negative Aura aus; sie verkörpert etwas Böses, das es zu bekämpfen gilt.

Um etwas über die dazu nötigen Maßnahmen zu erfahren, befiehlt mir die Seherin, Fotos zu machen. Ich frage, ob ich dazu eine Digitalkamera verwenden soll, doch sie erwidert, daß nur chemischer Film in der Lage sei, die Bilder aus der „Parallelwelt“ (die Seherin verwendet ein anderes Wort, an das ich mich nach dem Erwachen nicht mehr erinnern kann) festzuhalten. Wir befinden uns jetzt ‫ ohne einen Ortswechsel vorgenommen zu haben ‫ im Wohnzimmer meiner Eltern, oder besser gesagt im Garten und im Wohnzimmer zugleich. Ich stehe neben einem mit diversem Büromaterial bedeckten Tisch. Entgegen der Anordnung der Seherin nehme ich die Digitalkamera meines Vaters und führe sie ohne durch den Sucher zu blicken in zwei bis drei Zentimetern Abstand über den Tisch. Ohne den Vorgang irgendwie zu kontrollieren, mache ich ganz ziellos mehrere Aufnahmen. Währenddessen bin ich intensiv in die Betrachtung eines in einem Wandregal aufgestellten Pflanzentroges vertieft, in dem eine wild wuchernde Pflanze sitzt. An der Wand haben sich dicke holzige Knoten gebildet, die einander bedrängen und im weiteren Wachstum behindern. Einer von diesen pulsiert deutlich sichtbar und ich habe den Eindruck, daß er mir etwas mitteilen möchte, aufgrund seiner beengten Position aber nicht dazu in der Lage ist.

Beim Betrachten der Fotos auf dem Display der Kamera zeigen die ersten Bilder eine Reihe von steinernen Köpfen, die an präkolumbianische Kunst erinnern. Die Seherin weist mich darauf hin, daß ich besonders auf ein blaues Licht achten soll, als ich auch schon bemerke, wie ein solches über die Steinköpfe flackert. Die nächsten Bilder zeigen in stark verfälscht wirkenden, grellen Farben Szenen, die wie in Öl gemalt erscheinen. Zu erkennen sind ein sinister aussehender älterer Mann mit Zylinder ‫ ich identifiziere ihn als Abraham Lincoln ‫ und ein junger, gutaussehender Mann mit gelocktem Haar ‫ es ist der Bürgerkriegsveteran aus der Vitrine. Auf einigen der Bilder ist zu sehen, wie eine teigige blaue Masse auf die Frisur des jungen Mannes tropft. Die Seherin findet dazu die Erklärung, daß man der Mumie diese Substanz in die Haare schmieren müsse, um ihre Macht zu brechen.

Wir befinden uns jetzt wieder im Garten. Die Festgäste unterhalten sich und keiner scheint etwas von der Szene mit den Fotos mitbekommen zu haben, oder zumindest interessiert sich niemand dafür. Ich bin bezüglich der blauen Paste wenig zuversichtlich, da sich aus den Fotos kein Hinweis darauf ergibt, wo man so etwas bekommen kann. Während ich diesem Gedanken nachhänge, sehe ich einige von den Gästen die Gartentreppe herabeilen. Ich nehme an, daß auch sie jetzt die beklemmende Atmosphäre im Garten spüren und diesen daher verlassen wollen; da bemerke ich, daß eine weiß gekleidete Gestalt mit weit ausgebreiteten Armen die Leute vor sich hertreibt. Es ist meine Arbeitskollegin L., die sich ein Bettuch umgehängt hat und Gespenst spielt. Wir treten auf die Straße und sammeln uns vor einem Haus, als die Seherin ausruft: „Jemand wird sterben!“ Da sehe ich auch schon, wie im ersten Stock des Hauses ein Fenster geöffnet wird und ein Kind sich herauslehnt. Als es fällt, ist mir aber sofort klar, daß es nicht das angekündigte Opfer sein wird; tatsächlich fängt meine Cousine S. das Kind mehr durch Zufall als durch Geistesgegenwart auf und rettet es so.

Nervös blicke ich die Straße entlang. An ihrem Ende steht in einiger Entfernung ein Reisebus. Wird es einen Autounfall geben, der die Prophezeiung der Seherin erfüllt? Doch da sehe ich, wie ‫ offenbar akkordiert mit L.s Scherz ‫ mein Kollege F. (er trägt in diesem Traum als einziger sein wahres Gesicht) durch das umzäunte Rasenstück heranstürmt und auf den Zaun zuläuft. Ich begreife: Er wird versuchen, über den Zaun zu springen, dabei stolpern und sich auf der eisernen Lanze, die den Eckpfahl des Zaunes bildet, aufspießen. Aber anstatt zu springen bleibt F. stehen und stülpt seinen weit aufgerissenen Mund über die Lanzenspitze, sodaß ich erwarte, diese am Hinterkopf wieder heraustreten zu sehen. Doch nichts passiert. Im Gegenteil: F. schiebt sich ein immer größeres Stück des Zaunpfahles in den Hals und wirkt dabei trotz seines grotesk verzerrten Gesichts völlig heiter und entspannt. Dennoch will ich mir das nicht ansehen. Ich wende mich von der Szene ab ‫ und erwache mit einem Ruck. Mein erster Gedanke: An einem Unfall beim Klettern über einen Zaun ist auch der Sohn von Romy Schneider gestorben.

Anmerkungen

Erst nach dem Aufwachen fällt mir auf, daß die Mumie gar keinen Kopf hatte und damit auch keine Haare, in die man etwas hätte schmieren können.

In den Tagen vor dem Traum habe ich mir die Anschaffung einer Digitalkamera überlegt und Produkttests einiger in Frage kommenden Modelle studiert.

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