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2005-11-27
Ich fahre zusammen mit einer Gruppe unbekannter Leute in einem bequem ausgestatteten Reisebus eine von Regen überflutete Dschungelpiste entlang. Auf dem Wasser treiben hölzerne Planken, die als Fahrbahnersatz dienen; da sie nirgends befestigt sind, schwankt das Fahrzeug spürbar hin und her. Als wir das Ende der letzten Planke erreichen, gibt der Fahrer kräftig Gas und steuert den Bus ins Wasser, sodaß die Räder in der schlammigen Brühe versinken. Eine Fontäne von Schmutzwasser spritzt auf und ergießt sich über meine Hose. Ich bin erbost über diese Rücksichtslosigkeit des Chauffeurs und kündige ihm an: »Die Rechnung für die Reinigung werde ich an Ihren Vorgesetzten schicken!« Doch diese Drohung scheint ihn kaum zu beunruhigen, er zuckt nur mit den Schultern und antwortet: »Tun Sie das nur.«
Die Urwaldlandschaft, die wir durchqueren, ist keine tropische, sondern liegt mitten in Europa. Verborgen im Dickicht der Bäume sehe ich immer wieder monumentale Bauten vergangener Epochen: Burgen und Schlösser, Türme und Kirchen. Alle sind halb verfallen oder zumindest stark vernachlässigt und bieten sich im Dämmerlicht der untergehenden Sonne als attraktive Fotomotive dar. Ich wünsche, der Fahrer würde anhalten und mir Zeit für ein paar Schnappschüsse geben, doch unter den herrschenden Straßenverhältnissen ist dies völlig ausgeschlossen.
Einige Zeit später lassen wir den Dschungel hinter uns und erreichen eine große Stadt. Der Chauffeur lenkt den Autobus durch ein Garagentor in das Innere eines modernen Gebäudekomplexes, der von schmalen Gängen durchzogen ist. Als wir eine halboffene Galerie mit Aussicht auf das Stadtzentrum erreichen, stellt sich heraus, daß wir in eine Sackgasse geraten sind: Die von der Galerie abzweigenden Gänge sind zu eng für das Fahrzeug und ein Wenden oder Zurücksetzen ist gleichfalls unmöglich.
Während die anderen ratlos herumstehen und auf eine Eingebung warten, möchte ich endlich die Gelegenheit für ein paar Fotos nutzen. Ich entferne mich von der Gruppe und betrete einen unbeleuchteten, niedrigen Gang, der mich nach wenigen Schritten in einen aus rohen Brettern gezimmerten, aber geräumigen Verschlag führt. Nach allen Richtungen zweigen finstere Tunnel ab, aus denen das Geräusch von Maschinen zu mir dringt. In den Ecken des Raumes liegen Berge von unidentifizierbarem Gerümpel. Da begreife ich: Dies ist ein verborgenes Tunnelsystem, das einem geheimen Nachrichtendienst seit den Tagen des Kalten Krieges als Operationsbasis dient! Der Gedanke, als Spion ertappt zu werden, macht mich nervös und ich beschließe den Rückzug, aber da höre ich auch schon Schritte in dem Tunnel mir gegenüber und gewahre, wie dieser vom Schein einer Taschenlampe erhellt wird. Noch ehe ich mich hinter dem Gerümpel verstecken kann, betritt ein großer, kräftig gebauter Mann den Raum. Es ist der Filmschauspieler Burt Lancaster. Er hält inne und mustert mich mit mißtrauischem Blick, doch nach einem kurzen Moment der Spannung stuft er mich offenbar als Kollegen ein und setzt wortlos seinen Weg fort.
Wieder sehe ich einen Lichtschein aus dem Tunneleingang dringen und werde von zwei Männern angesprochen, die eine Mappe mit Plänen und technischen Zeichnungen bei sich tragen. Sie erteilen mir den Auftrag, diese so schnell wie möglich aus dem Tunnelsystem zu bringen und einer nicht näher genannten Kontaktperson zu übergeben. Ich verlasse den Verschlag und sehe, daß ich mich auf einer hölzernen Plattform in gut 200 Metern Höhe über der Stadt befinde. Ausgehend von der Plattform windet sich eine ebenfalls aus Brettern gebaute Rampe spiralförmig in die Tiefe. Sie schwankt unter meinen Schritten und macht insgesamt einen sehr wackligen Eindruck. Da ich fürchte, sie könnte einstürzen und mich ins Verderben reißen, suche ich eine Abkürzung und verfalle auf den Gedanken, an der Außenseite der Konstruktion senkrecht hinunterzuklettern. Tatsächlich erweist sich diese Idee als durchführbar und ich hantele mich mit großer Geschwindigkeit von einer Ebene zur nächsten. Doch als mich nur noch wenige Meter vom Erdboden trennen, erkenne ich zu meiner Bestürzung, daß die Rampe hier endet. Der einzige Ausweg wäre ein Satz nach unten, was mir aber aus dieser Höhe als sehr gefährlich erscheint. Während ich unentschlossen in die Tiefe blicke und überlege, ob ich den Sprung wagen soll, erwache ich.
Außer einigen vagen Erinnerungen an einen im vergangenen Sommer unternommenen Betriebsausflug – besonders im Zusammenhang mit der Tätigkeit des Fotografierens – weist dieser Traum keine erkennbaren aktuellen Bezüge auf.
2005-11-25
Im Rahmen eines Betriebsausfluges besuche ich mit meinen Kollegen das »Museum der ungewöhnlichen Dinge«. Eine junge Frau führt uns über ein Freigelände und zeigt uns eine Installation, deren wesentlicher Bestandteil ein frisch geschlachteter und abgehäuteter Stier ist. Das Tier hängt an einem eisernen Gestell und schwingt wie eine Schiffsschaukel über unsere Kopfe hinweg. Wenn man in der ersten Reihe steht, kann man dem Stier direkt in die blutunterlaufenen Augen sehen und bekommt den Eindruck, als würde er wütend auf einen zurasen, bevor er im letzten Augenblick nach oben schwenkt. Nur die Standhaftesten können diesen Nervenkitzel aushalten, ohne zurückzuweichen.
Das nächste Ausstellungsstück ist eine steinerne Predigtkanzel im Stil der Gotik, auf die man über eine Rolltreppe gelangt. Raffinierte Beleuchtungseffekte lassen die Person auf der Kanzel für die Untenstehenden als Christusfigur mit entrücktem Gesichtsausdruck erscheinen, die von einem Heiligenschein bekränzt ist und ein großes hölzernes Kreuz an ihre Brust drückt.
Auf dem Freigelände fährt ein LKW auf und ab, auf dessen Ladefläche eine Gruppe von übermannshohen Gummipuppen aufgestellt ist. Sie führen mechanisch abgezirkelte Bewegungen aus und schlagen unter ständigem Grunzen mit luftgefüllten Plastikkeulen auf jeden ein, der sich ihnen nähert. Der Besucher kann mit der Installation in Wechselwirkung treten, indem er einer der Figuren die Waffe entwindet und zurückschlägt.
Wir betreten eine große Halle, die die weiteren Sammlungsgegenstände des Museums beherbergt. Neben der Tür sitzt eine bärtige Männerfigur und starrt die Besucher mit vor Wut verzerrtem Gesichtsausdruck an. Ein Mechanismus im Inneren des Objekts läßt seinen Oberkörper immer wieder in die Waagrechte schnellen und die Figur mit der Stirn auf ein eisernes Widerlager krachen, sodaß in regelmäßigen Abständen ein Geräusch wie von einem Hammerschlag durch die Halle dröhnt.
Nach einigen Minuten habe ich den Kontakt zu meinen Kollegen verloren und befinde mich in einer weiten Badezimmerlandschaft. Ich verspüre den heftigen Drang zu urinieren, doch da sämtliche WCs verstopft sind, kann ich mich nirgends erleichtern. Rund um mich gurgelt und gluckst es und das Wasser in den WC-Muscheln beginnt zu steigen und die Fliesenböden zu überfluten. Da ich mir die Schuhe nicht naß machen möchte, beeile ich mich, den Bereich der Bäder so schnell wie möglich hinter mir zu lassen.
Ich treffe wieder mit meinen Kollegen zusammen und wir setzen uns zum Galadiner an einen reich gedeckten Tisch. Es werden Schüsseln mit erlesenen Früchten und feinstem Gebäck gereicht, doch alle Speisen besteht nur aus Papiermaché. Trotzdem tun wir so, als würden wir essen und bemühen uns, die Illusion nicht zu zerstören. Eine Semmel, von der ich ein Stück abgebissen habe, lege ich vor mir auf den Teller, während ich den papierenen Bissen diskret unter dem Tisch deponiere.
Nach dem Diner versammeln wir uns zur Abschlußbesprechung um unsere Betreuerin. Sie hat an einem niedrigen Beistelltisch Platz genommen, in den eine Vielzahl von Hebeln und Schaltern eingelassen ist. Ich beginne, mit den Schaltern zu experimentieren, doch nach einigen Versuchen komme ich zu dem Schluß, daß sie völlig funktionslos sind. Da mich die Besprechung langweilt, wende ich mich einem Regal zu, das an der Wand des Raumes aufgestellt ist und einige kleinere Ausstellungsstücke enthält. Mein besonderes Interesse gilt einer Gruppe von grob geschnitzten Holzfiguren, die auf einem quadratischen Sockel zu einem Diorama zusammengesteckt sind. Das Kunstwerk ist die Leihgabe einer Familie von altem Adel und zeigt Angehörige verschiedener Handwerksberufe in typischer Kleidung, diverse in Mitteleuropa heimische Tiere sowie einen am Boden liegenden Totenkopf. Wenn man die Figuren herausnimmt und wieder einsteckt, werden sie durch Ventile im Sockel mit Druckluft geladen und geben unterschiedlich gestimmte Pfeiftöne von sich, die sich bei richtiger Handhabung zu einer Melodie ordnen lassen. Leider gelingt es mir nicht, dem Diorama mehr als einige dissonante Mißtöne zu entlocken, und so stelle ich es wieder zurück an seinen Platz.
Die Besprechung ist inzwischen zu Ende und ich mische mich in die Unterhaltung, die mein Kollege G. mit unserer Betreuerin führt. Es geht um die Frage, ob sie als Vertreterin des Museums auch in der Lage ist, die technische Verantwortung für unsere Webservices zu übernehmen. Sie versichert uns, daß das ohne weiteres möglich sei, da sie in diesem Bereich über eine langjährige Erfahrung verfüge. »Auch bei Webservern unter Linux?« fragt G. »Sie wissen ja – mit Linux hat man nichts als Probleme.« Diese Wahrheit bleibt nicht nur unwidersprochen, sondern stimmt uns auch einigermaßen heiter, weswegen wir alle drei in ein fröhliches Lachen ausbrechen.
Dieser Traum ist insofern konsistent mit der Realität, als er Dinge zeigt, die in einem Museum für ungewöhnliche Dinge zweifellos gut aufgehoben wären. Der tote Stier im Schaukelgestell geht dabei auf einen Zeitungsbericht über Hermann Nitschs 122. Aktion zum Orgien-Mysterien-Theater im Wiener Burgtheater zurück. Die Badezimmerlandschaft beruht auf meinen Kindheitserinnerungen an ein Einrichtungshaus namens »Wohnwelt«, das ich seinerzeit oft und gern besucht habe. Träume von WCs gehen bei mir fast immer (wie auch in dieser Nacht) mit einem tatsächlich bestehenden Harndrang einher.
Die Probleme meines Kollegen G. mit seinen Linux-Servern sind zur Zeit täglicher Bestandteil meines Arbeitsalltags.
2005-11-16
Ich bin als Aushilfskraft bei einem internationalen Konzern angestellt, der seinen Sitz in einem großen Bürohochhaus hat. Tätigkeitsfeld und Organisation des Unternehmens sind mir ebenso unbekannt wie Inhalt und Zweck meiner Arbeit. Da mir in dem weitläufigen Gebäude völlig die Orientierung fehlt, wandere ich ziellos durch die Großraumbüros. Plötzlich höre ich über mir ein sirrendes Geräusch und blicke nach oben. Verputz rieselt herab und eine Sekunde später wird das Ende eines Betonbohrers sichtbar, der soeben ein Loch von ca. zwei Zentimeter Durchmesser in die Decke gebohrt hat. Das Werkzeug wird zurückgezogen und in der Öffnung erscheint ein transparenter Kunststoffschlauch, aus dem langsam, aber stetig eine wasserklare Flüssigkeit tropft, die auf dem Teppich zu meinen Füßen helle Flecken hinterläßt.
Ich setze meinen Rundgang fort und stelle fest, daß gleichartige Schläuche bereits an mehreren Stellen aus der Decke ragen. Dort, wo die Flüssigkeit bereits seit längerer Zeit auf den Boden einwirkt, beginnt sich dieser aufzuweichen und zu schäumen. Noch einmal habe ich Gelegenheit, die Installation eines der Schläuche zu beobachten. Dabei dringt der Bohrer in einen am Plafond befestigten, kugelförmigen Beleuchtungskörper aus Glas ein, der sich daraufhin mit der ätzenden Flüssigkeit füllt und augenblicklich milchig zu trüben beginnt.
In einer Vision sehe ich, wie sich die gesamte Struktur der oberen Stockwerke des Gebäudes aufweicht und verformt. Ich will hinauf, um zu sehen, wie weit die Auflösung bereits fortgeschritten ist, doch der Stiegenaufgang ist mit einem Seil abgesperrt. Ich versuche es mit dem Lift, aber auch dieser Zugang ist mir verschlossen, denn die Knöpfe für die über mir gelegenen Stockwerke sind mit Streifen von Klebeband abgedeckt, auf dem in leuchtend roten Buchstaben die Aufschrift »TechLab« prangt.
Da ich nicht nach oben gelangen kann, beschließe ich stattdessen, es mit dem Keller zu versuchen. Die Liftkabine, die bei meinem Eintritt Platz für zwanzig bis dreißig Personen bietet, schrumpft während der Fahrt so weit zusammen, daß ich mich zunehmend beengt fühle. Als ich im Untergeschoß anlange, bin ich bereits nahezu zwischen den Wänden eingeklemmt und kann mich gerade noch hinaus auf den Gang zwängen.
Ich betrete einen holzgetäfelten Hörsaal, in dem ein Mann in Anzug und Krawatte vor spärlichem Publikum einen Vortrag hält. Mein Interesse gilt jedoch dem Parkettboden, in dem ich kreisrunde und scharf abgegrenzte, dabei aber ganz flache Vertiefungen entdecke – so, als habe jemand Fässer aus Metall abgestellt, deren Umrisse sich durch ihr Gewicht dem Holz eingeprägt haben. Während ich versuche, einen Zusammenhang zwischen diesen Abdrücken und der Zersetzung des Bürogebäudes herzustellen, dämmere ich langsam in den Wachzustand hinüber.
Die Aushilfskraft im Großraumbüro, dessen Plafond Schauplatz mysteriöser Vorgänge ist, stammt aus dem Roman »Kings of Infinite Space« von James Hynes, den ich am Vorabend zu lesen begonnen habe. Das optisch einprägsame Motiv des plötzlich aus der Decke auftauchenden Bohrers hingegen ist eine Reminiszenz an Brian de Palmas »Der Tod kommt zweimal«. Die gesamte Thematik des Traumes mit seinen Chemikalien und Klebebändern geht auf Tagesreste in Zusammenhang mit dem 3M-Konzern zurück.
2005-11-14
In Begleitung meines Vaters und meines Bruders besuche ich einen Vergnügungspark. Fasziniert stehe ich vor einer Achterbahn für Kinder und sehe zu, wie die Wagen der Reihe nach einen Looping durchfahren. Sie haben gerade genug Energie, um den höchsten Punkt des Loopings zu überwinden; im Scheitelpunkt reduziert sich ihre Geschwindigkeit auf nahezu null und ich fürchte, sie könnten herunterfallen. Eine Zeit lang beruhige ich mich mit der Gewißheit, daß die Fahrzeuge von ihrem Radsystem in den Schienen festgehalten werden, doch dann passiert es: Einer der Wagen stürzt ab und begräbt das darin sitzende Kind unter sich. Sofort eilen Helfer herbei, um das Wrack von der Bahn zu heben, aber sie sind zu langsam und so krachen die nachfolgenden Wagen an der Unfallstelle ineinander. Einige springen dabei aus den Schienen, doch da die Fahrzeuge erstaunlich robust sind, scheint es weder Verletzte noch großen Schaden zu geben.
Der Fahrbetrieb ist jedenfalls unterbrochen und ich sehe, daß aus einem Loch neben der Bahn schwarzer Qualm aufsteigt. Bald schlagen auch die ersten Flammen empor und der Besitzer der Achterbahn läuft hinzu, um das Loch mit seinem Körper abzudecken und das Feuer zu ersticken. »Helft mir doch, helft mir!« ruft er den Umstehenden zu, doch niemand wagt es, sich der Gefahr auszusetzen, denn es ist allen bewußt, daß das Feuer durch Luftzufuhr von unten immer weiter angefacht wird und auf diese Weise nicht gelöscht werden kann. In wenigen Sekunden stehen die Kleider des Mannes in Flammen, aber das scheint ihm nichts auszumachen. Während ein gleißender Lichtschein von ihm ausgeht, wälzt er sich auf dem Boden und versucht eine Position zu finden, die es ihm ermöglicht, das Loch vollständig zu bedecken.
Ich weiß, daß er besondere Hoffnung auf meine Hilfe setzt, doch im Gegensatz zu ihm fürchte ich mich vor dem Feuer und verstecke mich unter dem Aufbau der Achterbahn. Hier finde ich den Boden übersät mit kantigen Objekten, die ich zuerst für Kieselsteine halte, bei näherem Hinsehen jedoch als lose Tasten von PC-Tastaturen erkenne. Da erinnere ich mich: Ich kenne diese Achterbahn noch von früher – aus einer Zeit, als sie das Thema »Computerwelt« als Gestaltungsgrundlage hatte! Zur Bestätigung entdecke ich gleich neben mir ein Schild, dessen Lackierung vor meinen Augen transparent wird und eine frühere Bemalung durchscheinen läßt. Sie zeigt das Abbild eines Computers vom Typ Commodore C64.
Zu dritt bummeln wir weiter durch den Vergnügungspark und gelangen nach einiger Zeit an den Rand des Geländes. Vor einer Grotte aus künstlichem Stein wird mein Bruder nervös und weigert sich, weiterzugehen, denn an der Rückwand der Höhle sind in zwei Reihen neun Babyköpfe aus Gummi angebracht, die uns einer eingehenden Musterung unterziehen. Es geht eine Atmosphäre des Grauens von Ihnen aus, die auch ich deutlich spüren kann, doch da ich der Ältere bin, fühle ich mich verpflichtet, meinen Bruder zu beruhigen und zum Weitergehen zu bewegen. Die Köpfe schneiden groteske Grimassen und beobachten aus den Augenwinkeln, wie wir uns von ihnen entfernen.
Am anderen Ende der Grotte treffen wir auf Kasperl und Strolchi, die uns in eine kurze, aber angeregte Unterhaltung verwickeln. Als wir uns auf den Rückweg machen, ist der Stand mit den Gummiköpfen bereits geschlossen; die Köpfe sind verschwunden und haben nur nackte Löcher in der Wand zurückgelassen. Beim Verlassen der Grotte kommen wir an einem hölzernen Fort im Miniaturformat vorbei, in dessen Turm ein grünes Reptilwesen als Wächter sitzt. Es begrüßt uns in einer unartikulierten Sprache, die ich nicht verstehe, doch ich weiß, daß es uns scherzhaft gemeinte Flüche zuruft.
Mein Bruder, der im Alter von 22 Jahren verunglückt ist, erscheint in meinen Träumen stets nur als Kind. Zu dieser Zeit war er es, der häufig von Traumerlebnissen erzählte, bei denen Köpfe aus der Wand ragten – allerdings handelte es sich dabei um Tierköpfe. Die Gummiköpfe in diesem Traum gehen auf eine vor einigen Jahren stark beworbene Serie von Babypuppen zurück, die sehr lebensecht aussahen und auf charmante Weise häßlich waren.
Vergnügungsparks habe ich schon immer gemocht, doch kann ich sie nicht besuchen, ohne dabei an James Goldstones Katastrophenfilm »Achterbahn« zu denken, von dem ich auch den Titel für diesen Traum entlehnt habe. An das, was Kasperl und Strolchi mit mir zu besprechen hatten, kann ich mich leider nicht erinnern.
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