Somniatorium

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Schwarzer Mönch auf Hausbesuch

2006-05-14

Ich bin zu Gast bei fremden Leuten in einem Haus am Stadtrand. Es wird spät und ich möchte mich verabschieden, doch meine Gastgeberin erklärt mir, daß es nicht ratsam ist, um diese Zeit noch auf die Straße zu gehen. Nach Einbruch der Dunkelheit treiben nämlich zwielichtige Gestalten ihr Unwesen, denen man besser nicht begegnen sollte; da einige von ihnen immer wieder versuchen, ins Haus einzudringen, ist es überdies nötig, dieses durch besondere Vorsichtsmaßnahmen nach außen hin abzusichern.

Die Frau erklärt mir den Mechanismus, der der Verriegelung der Haustür dient. In einen Schlitz im Türrahmen ist eine zur Hälfte sichtbare, etwa handtellergroße Scheibe aus Holz eingelassen, die man bei wachsendem Widerstand so lange gegen den Urzeigersinn drehen muß, bis es nicht mehr weitergeht. Sie zeigt mir, wie es gemacht wird, aber ich erkenne sofort, daß sie zu wenig Kraft einsetzt und die Tür nur ungenügend versperrt ist. Ich trete hinzu, um das Versäumnis zu korrigieren, aber da spüre ich auch schon, wie von draußen jemand mit aller Gewalt gegen die Tür drückt. Ich stemme mich dagegen und es gelingt mir, den Eindringling vorläufig aufzuhalten, doch es ist klar, daß ich es auf Dauer nicht schaffen werde, dem Ansturm standzuhalten.

In diesem Moment fällt mir ein weiterer Sicherungsmechanismus an der Tür ins Auge, den ich bisher übersehen habe. Es handelt sich um zwei etwa bleistiftdicke, fingerlange Messingrohre, die an den Enden mit Gewinden versehen und mittels eines Schraubrings zu verbinden sind. Ich bemühe mich, die Verbindung herzustellen, doch wegen des ständigen Drucks von außen gelingt es mir nicht, den Schraubring in die richtige Position zu bringen. Überdies hat der Eindringling durch die geschlossene Tür ein Werkzeug eingeführt, das er jetzt gegen mich einsetzt. Es besteht ebenfalls aus Messing und hat die Form eines leicht S-förmig geschwungenen Drehgriffs, wie man sie gelegentlich bei Fenstern älterer Bauart findet. In der Mitte weist es eine sechseckige Vertiefung auf, die für die Anbringung eines Steckschlüssels gedacht sein könnte. Die Funktionsweise des Werkzeugs ist jedoch keine mechanische, sondern eine katalytische; seine bloße Anwesenheit bewirkt, daß die Enden der Messingrohre sowie der Schraubring vor meinen Augen zerspanen und sich nach und nach in grobkörnigen Metallstaub auflösen.

Der Riegel ist damit unbrauchbar geworden und ich bin zur Verteidigung des Eingangs wieder allein auf meine Körperkraft angewiesen. Durch die Milchglasscheibe der Türfüllung erkenne ich die Gestalt meines Gegners, die sich schemenhaft darauf abzeichnet. Ohne seine Augen gesehen zu haben, weiß ich, daß sie weiß leuchten und daß ich um jeden Preis verhindern muß, das von ihnen auf die Scheibe projizierte Licht wahrzunehmen, da mich ansonsten meine Kräfte sofort verlassen würden. Mehrmals wirft sich der Fremde mit seinem ganzen Gewicht gegen die Tür und drückt sie nach innen, doch ich gebe mein Äußerstes und schaffe es jedesmal, den enstandenen Spalt wieder zu schließen. So tobt der Kampf eine Zeit lang hin und her, bis meine Gegenwehr schließlich erschöpft ist und ich den Weg freimachen muß.

Die Tür geht auf und der Fremde tritt ein. Er trägt eine schwarze, bis zum Boden reichende Mönchskutte mit Kapuze, die sein Gesicht nur undeutlich erkennen läßt. Dieses ist dick mit weißer Schminke bedeckt und zeigt keinen Ausdruck, den ich deuten könnte. Mund und Nase bleiben unsichtbar; charakteristisch sind allein die tiefschwarzen Augen, die wie Löcher in einer Maske wirken und im Zentrum hell leuchtende weiße Punkte aufweisen.

Obwohl der Mönch sich als der Stärkere erwiesen hat, geht für mich kein Gefahr von ihm aus, denn dadurch, daß ich meine Stellung so hartnäckig verteidigt habe, habe ich mir seinen Respekt erworben. Einige Sekunden lang sehen wir einander schweigend an, dann lasse ich ihn passieren und schaue ihm nach, wie er sich mit unhörbaren Schritten den finsteren Korridor entlangbewegt und im Inneren des Hauses verschwindet.

Anmerkungen

Wer glaubt, daß der Mönch mit der corpse paint die Hauptrolle in diesem Traum spielt, liegt falsch – hier geht es um die Technik. Funktionsunfähige Maschinen und andere absurde Vorrichtungen treten immer wieder in meinen Träumen auf, doch nur selten nehmen sie die Aufmerksamkeit des Traum-Ich so sehr in Anspruch wie in diesem Fall. Vom subjektiven Zeiterlebnis her hat die Szene mit dem Messingriegel den weitaus größten Teil des Traums ausgemacht, während alles andere nur der Einleitung bzw. dem Abschluß der Geschichte dient. Daß dies in der Nacherzählung nicht ganz so herauskommt, liegt nur daran, daß die verbale Beschreibung einen Zeitablauf suggeriert, der dem Geschilderten nicht in optimaler Weise entspricht.

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Experiment am Himmel

2006-05-10

Ich schrecke ohne erkennbaren Grund mitten in der Nacht aus dem Schlaf. Ein Blick auf die Uhr zeigt mir, daß es bis zum Sonnenaufgang noch einige Zeit dauern wird; dennoch ist es vor dem Fenster meines Schlafzimmers unnatürlich hell. Über der Stadt liegt ein bläuliches Dämmerlicht, wie es sonst nur in den späten Abendstunden auftritt. Plötzlich zuckt ein Blitz auf und die Farbe des Himmels wechselt schlagartig nach Grün. Ich blicke nach oben und sehe in etwa 200 Metern Höhe ein Raumschiff, das zuerst eine Zeit lang ruhig an seinem Platz verharrt und sich dann langsam vor- und zurückzubewegen beginnt. Dabei ist seine Bewegung nicht kontinuierlich, sondern von ruckartigen Sprüngen unterbrochen, bei denen es mit einer für das Auge nicht erfaßbaren Geschwindigkeit jeweils ein bis zwei Drittel seiner Gesamtlänge zurücklegt. Mehrmals verschwindet es für Bruchteile von Sekunden vollständig von der Bildfläche, wobei das Leuchten in schneller Folge verschiedene Blau- und Grüntöne annimmt. Insgesamt erweckt der Ablauf den Eindruck eines Films, aus dem man in unregelmäßigen Abständen kurze Sequenzen herausgeschnitten und dafür an anderen Stellen fremde Bilder eingefügt hat.

Ich begreife, daß ich Zeuge der Experimente einer geheimen Macht bin, deren Zweck die Entwicklung einer Tarnvorrichtung für Raumfahrzeuge ist. Noch ist die Technologie nicht ausgereift und instabil; außerdem hat sie offenbar weitreichende – und möglicherweise sogar gefährliche – Auswirkungen auf die Umgebung, die sich in den atmosphärischen Leuchterscheinungen äußern.

Nach etwa einer Minute taucht ein zweites, größeres Schiff auf, das sich ebenso wie das erste verhält und langsam auf dieses zubewegt. Die Frequenz der Farbwechsel nimmt zu und die Intervalle, während derer die Fahrzeuge unsichtbar bleiben, werden immer größer. Schließlich verschmelzen sie langsam miteinander, bis sie eins sind und nach einer letzten Serie von heftigen Blitzen endgültig verschwinden. Die Versuchsreihe ist beendet und der Himmel nimmt nach und nach wieder seine natürliche nachtschwarze Färbung an.

Ich lasse mir das Erlebte durch den Kopf gehen und verfalle auf den Gedanken, daß mein Zusehen von den Unbekannten bemerkt und als Spionage gewertet worden sein könnte. Es wäre durchaus im Bereich des Möglichen, daß ich als Beobachter selbst einer Beobachtung unterzogen worden bin. Diese Idee hat etwas Beunruhigendes an sich, denn es ist für mich nur schwer abzuschätzen, welche Mittel die Fremden zum Schutz ihrer Geheimnisse für angemessen halten. Doch als nichts weiter passiert, verflüchtigen sich meine Bedenken sehr schnell und ich kehre zurück ins Bett, wo ich alsbald in einen tiefen, traumlosen Schlaf versinke.

Anmerkungen

Diesen Traum erlebe ich als so wirklichkeitsnah, daß er nur durch seinen Inhalt als solcher zu erkennen ist – wäre zum Beispiel nur die Feuerwehr anstatt der Raumschiffe und des Leuchtens darin aufgetreten, würde ich die Geschichte aufgrund der zeitlichen und örtlichen Übereinstimmung mit der Realität ohne Bedenken als Teil derselben akzeptieren. Inspiriert wurde der Trauminhalt jedenfalls von einem Bericht über die u.a. von Francis Ford Coppola produzierte Fernsehserie »The 4400«, in der es um die Schicksale von Menschen geht, die nach ihrer Entführung durch UFOs ohne Erinnerungen an das Vorgefallene auf die Erde zurückkehren.

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