Somniatorium

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Auf Tauchgang im Keller

2006-06-28

Ich möchte ein zum Verkauf angebotenes Wohnhaus in einer ostösterreichischen Kleinstadt besichtigen und befinde mich am Eingang zu einem Kellergewölbe, wo die Eigentümerin einen Termin mit mir vereinbart hat. In einem aus Ziegeln gemauerten Vorraum treffe ich auf einen Trupp von Froschmännern in grün leuchtenden Taucheranzügen, die den Keller des Gebäudes als Basis für ihre Expeditionen in ein unterirdisches Höhlensystem nutzen. Die Ausrüstung der Männer besteht hauptsächlich aus einer Vielzahl von zum Teil offenbar reparaturbedürftigen elektronischen Geräten. Einer aus der Gruppe – er fällt mir dadurch auf, daß er als einziger keine Kapuze über den Kopf gezogen hat – hantiert mit einem etwa 20 Zentimeter langen zylindrischen Objekt, aus dessen Enden dicke Metalldrähte ragen. Vergeblich bemüht er sich, den Gegenstand in eine elektronische Schaltung einzubauen; immer, wenn sich der Kontakt schließt, stößt der Techniker einen Schmerzensschrei aus und windet sich in den Krämpfen eines Stromstoßes. Nach etlichen Fehlversuchen verliert der Anführer des Trupps die Geduld und herrscht seinen Untergebenen an: »Nicht einmal einen relativistischen Widerstand kannst du Trottel einbauen!«

Zuletzt sind die Bemühungen des Mannes doch noch von Erfolg gekrönt und der elektrische Strom pulst kraftvoll durch die fertiggestellte Anlage. Begleitet vom Brummen eines unter Vollast stehenden Transformators steigen die Froschmänner in die Tiefe des Kellers ab, wobei ihr erschöpfter Kamerad auf torkelnden Beinen hinter ihnen herwankt. Ich bleibe allein in dem Vorraum zurück und ärgere mich über die Hausbesitzerin, die mich offensichtlich versetzt hat, um die Abenteurer auf ihrer Tour zu begleiten.

Anmerkungen

Dieser Traum ist von den täglichen Berichten einer Kollegin über ihre Schwierigkeiten und Sorgen im Zusammenhang mit einem Wohnungskauf inspiriert. Der Keller als Schauplatz und die Taucher als Protagonisten der Handlung erinnern an Harald Reinls Edgar Wallace-Film »Der Frosch mit der Maske«.

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Seelandschaft im Nebel

2006-06-22

Ich mache Urlaub in einem engen, von hohen Bergen umgebenen Tal. Hinter dem Hotel befindet sich ein Vulkankegel, der Lava und weißes Geröll ausstößt. Es ist die Zeit der Abenddämmerung; die Strahlen der untergehenden Sonne und die Glut aus dem Erdinneren tauchen die Gebirgsflanke in ein orangerot flackerndes Licht. Neben mir steht C. und blickt einem Freund in Kletterausrüstung nach, der soeben im Begriff ist, sich auf den Weg zum Gipfel zu machen. »Geh nicht!« ruft sie ihm zu, doch er hört nicht und bewegt sich mit schnellen Schritten auf den schneebedeckten Abhang des feuerspeienden Berges zu.

Die Heftigkeit der Eruption nimmt zu und Hunderte von großen weißen Felsbrocken stürzen auf den Talgrund nieder. Um Schutz zu suchen, stelle ich mich dicht neben eine Mauer, doch bei näherer Betrachtung sehe ich, daß die Blöcke regelmäßig geformt und vielfach durchbrochen wie die Skelette gigantischer Radiolarien sind. Leicht wie Styropor segeln sie auf mich herunter, sodaß ich sie mühelos mit der Faust zur Seite boxen kann. Zu Beginn amüsiert mich das Spiel mit den Steinen, doch nach einer Weile werde ich müde und ziehe mich ins Haus zurück.

Am Morgen des nächsten Tages schaue ich aus dem Fenster und sehe, daß in der Nacht alle Berge in der Umgebung zu Vulkanen geworden sind. Rund um das Tal steigen Dampfsäulen und Aschefontänen von den Gipfeln hinauf in den Himmel. Auch aus der Ruine eines zum Hotel gehörigen Rundbaues ringelt sich eine Rauchwolke empor und ich fürchte, eine Erdspalte könnte sich unter mir öffnen und mich verschlingen, aber ein Blick durch die leeren Fensterhöhlen des Gebäudes zeigt mir, daß es sich lediglich um das Abzugsrohr eines eisernen Kanonenofens handelt. Da wird mir klar: In diesem Abbruchhaus wohnt noch jemand und arbeitet für mich!

Das Programm des Tages sieht einen Ausflug nach Millstatt vor und so wandere ich über das Eis eines zugefrorenen Teichs zum Treffpunkt, wo schon ein mit Arbeitskollegen besetzter Reisebus auf mich wartet. Wir fahren die von hohen und prunkvollen Jugendstil-Bürgerhäusern gesäumte Hauptstraße des Orts entlang, die schmäler und schmäler wird und zuletzt am Fuß einer Felswand endet. Ein Wenden oder Zurücksetzen des Fahrzeuges ist unmöglich und es scheint keinen Ausweg aus der Sackgasse zu geben. Ein Schuldiger für dieses Mißgeschick ist schnell gefunden: Es ist Herr Zd., der wieder einmal seine Papiere nicht rechtzeitig vorgelegt und uns damit in Schwierigkeiten gebracht hat. Doch der Unmut der Kollegen kommt zu früh, denn im letzen Moment zeigt sich, daß die Straße kurz vor der Mauer scharf nach rechts abbiegt und passiert werden kann, wenn der Bus sich krümmt und wie eine Gummischlange um die Kurve windet.

Wir erreichen eine offene Landschaft am Ufer des Millstätter Sees und steigen aus, um einen Spaziergang entlang der Wasserlinie zu unternehmen. Vom Rand eines schmalen Schilfgürtels aus beäugen uns große Vögel, die nackte Köpfe und Hälse wie Geier haben und im Gesicht und an den Füßen eigenartige Hautausstülpungen aufweisen. Eine meiner Mitreisenden bezeichnet die Tiere als »Fischreiher«, doch es ist offensichtlich, daß eine zoologisch korrekte Bezeichnung erst gefunden werden muß.

Da mir die an den Strand schlagenden Wellen Sand in die Schuhe tragen, steige ich die flache Uferböschung empor und gelange auf eine von gußeisernen Laternen flankierte Promenade. Der Weg führt am Fuß einer in weitem Bogen geschwungenen Klippe von etwa drei Metern Höhe entlang, die aus einer dicht verbackenen Masse von eng aneinander gepreßten und in die Länge gezogenen Menschenleibern besteht. Enormer Druck hat sie versteinern lassen und ihre Körperformen abgeschliffen, doch gelegentlich zeugen leere Augenhöhlen und geöffnete Münder noch von der Agonie des Sterbens. Die mineralisierten Toten haben ihre ursprüngliche Farbe verloren und die Klippe scheint von innen heraus zu leuchten, wobei sie das grünlich-blaue Labradorisieren eines Spektrolithen zeigt. Die ganze Formation ist von geologischem Alter und befindet sich in langsamer Auflösung, denn hie und da, wenn ein Sturm die Flut dagegentreibt, werden einzelne Körper aus dem Gebilde herausgebrochen und versinken in der Tiefe des Sees.

Ich wende mich ab und schaue hinaus auf das Wasser, über dem dichter Nebel hängt. Von Zeit zu Zeit reißen die Dunstschwaden auf und geben den Blick auf eine etwa 200 Meter vom Ufer entfernt gelegene Insel frei. Das grünblaue Licht der Klippe bricht durch die Wolken und beleuchtet mit seinem Farbspiel eine zugleich feenhaft entrückt und abweisend wirkende Festung, die auf mich den Eindruck eines altertümlichen Piratennestes macht. Ich hole meine Kamera heraus, um das überaus pittoreske Motiv im Bild festzuhalten, aber Kondenswasser und ein feiner Sprühregen schlagen sich auf die Linse und lassen das Foto vollständig verschwimmen.

Anmerkungen

Dieser lange und detailreiche Traum, der in eine ansonsten weitgehend traumlose Phase fällt (und eine gewisse Verwandtschaft zu »Im Auftrag des Geheimdienstes« aufweist; vgl. 2005-11-27), bezieht sich auf Tagesreste in beruflichem Zusammenhang – vor allem im vierten Absatz. Die Felsklippe aus menschlichen Körpern hingegen ist eine Reminiszenz an den Augenzeugenbericht von Filip Müller, der als Überlebender der Sonderkommandos von Auschwitz über die Gaskammern schreibt, daß die Leichen darin »angepreßt wie Basalt, wie Steine« standen.

Zdzislaw Beksinski hat in seinem Gemälde »Katyn« eine ähnliche Vision festgehalten.

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Gitarrentips für Jimi Hendrix

2006-06-07

Ich sitze im Gastgarten eines Kaffeehauses und belausche ein Gespräch am Nebentisch, wo Jimi Hendrix sich angeregt mit zwei jungen Frauen unterhält. Jimi wirkt jugendlich und energiegeladen; er trägt Rastalocken und ist nach seinem Tod deutlich runder geworden, vor allem im Gesicht. Mit ausladenden Gesten beschwert er sich über den unzulänglichen Klang seiner Gitarre und stellt fest: »Es liegt an der Elektronik!« Zur Demonstration schlägt er ein Heavy Metal-Riff an, das in der Tat müde und kraftlos klingt und kaum etwas von der euphorisierenden Wirkung ahnen läßt, die sein Spiel zu Lebzeiten vermitteln konnte.

Ich mische mich in die Unterhaltung und lasse Jimi wissen, daß ich Gitarrenexperte bin und ihm bei der Lösung seines Problems helfen möchte. Auf einem Sockel im Tisch ist eine große Elektronenröhre montiert, deren Glimmen anzeigt, daß sie unter Strom steht. Ein dünner Draht verbindet sie mit der Gitarre und ich sehe auf den ersten Blick, daß entgegen Jimis Meinung mit der Technik alles in Ordnung ist. Die Ursache liegt ausschließlich bei ihm selbst, denn es ist offensichtlich, daß das einstige Idol von Tausenden aus der Übung und längst nicht mehr auf der Höhe seines Könnens ist.

Ich nehme die Gitarre zur Hand, um Jimi ein paar Griffe zu zeigen, doch da es sich um eine linkshändige Stratocaster handelt, finde ich mich nicht gleich damit zurecht. Verwirrung stiftet vor allem der Umstand, daß in den Korpus eine Klaviatur eingelassen ist, die das Instrument auch als Umhängekeyboard verwendbar machen soll. Nach einigem Probieren gelingt es mir doch noch, eine Reihe von Töne hervorzubringen; diese sind aber kaum zu hören, denn einerseits verlieren die Saiten mehr und mehr ihre Spannung und andererseits hat der Verstärker jetzt tatsächlich seinen Geist aufgegeben. Jimi und den beiden Mädchen scheint meine Darbietung aber zu gefallen, denn sie begleiten sie mit eifrigem Headbangen.

Anmerkungen

Die stromdurchflossene Senderöhre – denn um eine solche handelt es sich bei dem mit der Gitarre verbundenen Bauelement – weist den Rundfunk als Gegenstand dieses Traums aus. Die Notwendigkeit zur Beschäftigung mit dem Thema »Radio« hat sich am Vortag in beruflichem Zusammenhang ergeben.

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